Wolle im Herbst: Weste, Schal, Decke
Drei Sachen aus Wolle für die Wochen, in denen die Jacke zu viel und das Shirt zu wenig ist — mit Maßen, Material und Pflege.
Der Herbst braucht keine dickere Jacke. Er braucht eine Schicht dazwischen — und die kann aus Wolle sein.
Zwischen Ende September und Mitte November gibt es diese Tage, an denen morgens 8 Grad sind und mittags 18. Eine Winterjacke ist zu viel, ein Langarmshirt zu wenig, und beides lässt sich unterwegs nicht korrigieren. Wolle löst das anders als eine Jacke: Sie wärmt, ohne zu isolieren wie ein Ofen, und sie nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich klamm anzufühlen.
Wir haben drei Sachen aus Wolle im Laden, die genau diese Wochen tragen — eine zum Anhaben, eine zum Mitnehmen, eine fürs Sofa. Hier steht, was sie unterscheidet und welche wofür.
Wolle macht etwas, das Baumwolle nicht kann
Wollfasern nehmen bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf, bevor sie sich nass anfühlen. Baumwolle wird deutlich früher klamm und kühlt dann aus — deshalb fröstelt man im Baumwollpullover nach dem Radeln, in Wolle nicht. Dazu kommt, dass Wolle kaum Geruch annimmt: Lüften über Nacht reicht meistens, Waschen ist die Ausnahme. Das ist kein Marketing, sondern der Grund, warum diese Sachen jahrelang halten.
Morgens raus
Weste unter der Übergangsjacke. Trägt im Ärmel nicht auf, weil sie keine Ärmel hat.
Mittags drinnen
Jacke aus, Weste an. Über dem Langarmshirt sieht sie wie ein eigenes Teil aus.
Abends unterwegs
Schal. Passt in die Jackentasche und macht am Hals mehr Unterschied als eine zweite Lage.
Zuhause
Decke. Zwei Grad weniger heizen fällt nicht auf, wenn eine auf dem Sofa liegt.
Die Weste: 100 % Schurwolle, ohne Ärmel
Die TYB von Alwero ist eine kurz geschnittene Weste aus mulesingfreier Schurwolle, Woolmark-zertifiziert, genäht in Polen. Sie hält den Rumpf warm und lässt die Arme frei — das ist der ganze Trick an der Übergangszeit. Unter einer Jacke trägt sie nicht auf, weil da nichts doppelt liegt.
Verschlossen wird sie mit Druckknöpfen, nicht mit einem Reißverschluss, und die Passform ist locker statt taillenbetont. Wer sie waschen will: Lüften reicht fast immer, sonst Handwäsche kalt oder Wollwaschgang bei 30 °C — aber nie in den Trockner, dann ist sie zwei Größen kleiner.
Dieses Jahr sind sieben neue Dessins dazugekommen, darunter zwei zweifarbige und ein Gepardenmuster. Insgesamt liegen 18 Farben da, von sehr ruhig bis sehr laut.
Der Schal: schmal, damit er unter den Kragen passt
Die Schals von Calie Paris sind aus einem Mix von 10 % Kaschmir, 40 % Merinowolle, 30 % Viskose und 20 % recyceltem Polyamid, gestrickt in Italien. Der kleine Strickschal misst 116 × 13 cm — das ist bewusst schmal. Ein breiter Schal staut sich unter dem Mantelkragen und drückt; dieser legt sich flach und lässt sich ein- oder zweimal locker wickeln.
Wer lieber nur ein Teil dabeihat, nimmt den Kapuzenschal: Kapuze über den Kopf, die langen Enden fallen vorne herunter. Er ersetzt Mütze und Schal an den Tagen, an denen beides zu viel wäre — und er zerstört die Frisur weniger als eine Mütze. Kostet 15 € mehr als der schmale, dafür braucht man nichts dazu.
Wolle riecht nicht, sie lüftet sich aus. Das ist der unterschätzte Teil. ROSA ECK · Hafengasse 11, Tübingen
Die Decke: 200 × 130 cm reine Schurwolle
Zwei Marken, zwei Zugänge. Die Wolldecken von KLEKKS sind 200 × 130 cm aus 100 % Schurwolle, gewebt in Litauen — groß genug, dass sich eine erwachsene Person komplett darin einwickeln kann, ohne dass die Füße rausschauen. Die Muster sind nummeriert statt benannt, ein Teil davon entsteht mit Illustratorinnen zusammen.
Die NOLITA von Tarta Gelatina ist mit 180 × 130 cm etwas kleiner, dafür jacquardgewebt und mit 480 g/m² merklich dichter — die liegt schwerer auf. Wolle aus Neuseeland, entworfen in Barcelona, produziert ebenfalls in Litauen. Wer eine Decke zum Umhängen will, nimmt KLEKKS; wer eine zum Drunterliegen will, NOLITA.
Beide kosten 119 €, und beide sind fast immer Einzelstücke — von den meisten Mustern haben wir ein oder zwei da. Alle Decken stehen in der Kollektion Sofadecken.
Wolle pflegen, ohne sie zu ruinieren
Über Nacht lüften
Weste oder Schal auf einen Bügel ans offene Fenster. Nach acht Stunden ist der Geruch weg — das ersetzt die meisten Waschgänge.
Flecken punktuell
Mit kaltem Wasser und etwas Wollwaschmittel nur die Stelle behandeln, nicht reiben, sondern tupfen.
Wenn waschen, dann kalt
Handwäsche oder Wollwaschgang bei maximal 30 °C, Wollwaschmittel, kein Weichspüler. Nicht auswringen.
Flach trocknen, nie Trockner
In ein Handtuch rollen, ausdrücken, dann flach in Form legen. Der Trockner macht aus jeder Wollweste eine Kinderweste.
Häufige Fragen
Kratzt das?
Bei den Schals nicht — Merinowolle und Kaschmir haben eine deutlich feinere Faser als die Schafwolle aus alten Pullovern, und die liegt direkt am Hals angenehm. Die Alwero-Weste ist ein Wollfleece und wird ohnehin meist über einem Shirt getragen. Wer empfindlich ist: einfach im Laden anfassen, das entscheidet sich in drei Sekunden.
Welche Größe brauche ich bei der Weste?
Die TYB ist kurz und gerade geschnitten und sitzt locker, deshalb passt sie über einen recht großen Bereich. Die Größentabelle mit den konkreten Maßen steht auf jeder Produktseite — im Zweifel die kleinere nehmen, weil die Weste als Zwischenschicht gedacht ist und nicht als Jacke.
Kann ich eine Wolldecke waschen?
Am besten so selten wie möglich. Lüften und punktuelles Behandeln reicht fast immer; danach gilt das Gleiche wie oben — kalter Wollwaschgang, flach trocknen. Eine 200 × 130 cm große Schurwolldecke braucht dafür eine große Maschine und einen ganzen Tag zum Trocknen. Schau vorher aufs eingenähte Etikett.
Die ganze Herbstauswahl
Westen, Schals, Decken, Strick und Regenschirme — alles, was wir für kühle, graue Tage dahaben.
Herbst-Kollektion ansehen →






